Waschzwang

Veröffentlicht am 30. Mai 2026 um 08:43

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Ich hatte einen sehr ausgeprägten Waschzwang der sich während meines 11 Lebensjahres eingeschlichen hat. Ich konnte niemanden anfassen, mich durfte niemand anfassen. Es durfte niemand mein Zimmer betreten, wenn ich nach Hause gekommen bin dann habe ich alles an mir einzeln desinfiziert. Habe meine Handyhülle abgenommen, meine Brille, meine Klamotten komplett ausgezogen. Unterwegs habe ich nie etwas getrunken oder gegessen und auch so gut es ging den Mund nie aufgemacht, weil ich dachte sonst fliegen Bakterien in meinen Mund. Beim Händewaschen habe ich ungefähr 40-70 Minuten gebraucht, weil ich , wie in einem OP, bis zu meinen Ellbogen komplett gewaschen habe und , wenn ich auch nur das Gefühl hatte das eine "ungewaschene" Stelle eine saubere Stelle berührt hat fing alles von vorne an. Deshalb ging ich auch nur morgens und abends jeweils ein einziges mal auf die Toilette um nicht wieder Hände waschen zu müssen. Geduscht habe ich bis zu zwei Stunden, weil es dort dasselbe Konzept mit den "ungewaschenen" Stellen war. Danach war ich so fertig und habe mich wie eine ausgetrocknete Rosine gefühlt. Wenn mich jemand berührt hat bin ich direkt wieder duschen gegangen. Zum schlafen trug ich Socken, eine lange Hose, ein Oberteil und eine Strickjacke, damit mich so gut es geht nix berühren konnte. Wenn ich fertig im Bett lag dann habe ich alles nur noch angefasst indem ich meinen Ärmel über die Hand zog , um den Gegenstand nicht mit meiner Haut zu berühren. Innerhalb meines Bettes war alles für mich "steril" aber alles außerhalb durfte ich meiner Meinung nach nicht anfassen. In der Schule hatte ich immer Desinfektionsmittel dabei, falls mich jemand berührt. Meine Haut fiel schon ab. Ich habe mich überall, vor allem von Hand bis Schulter, "gehäutet". Deshalb wurde ich auch gemobbt. Eines Morgens war ich beim Händewaschen und mein Bonuspapa sagte ich komme zu spät zur Schule. Ich sagte ich bin gleich fertig aber es dauerte immer länger. Er wollte nicht das ich zu spät komme und nahm mir die Seife weg. Da bin ich komplett durchgedreht, habe ihn angeschrien das er mir die Seife wiedergeben soll. Ich bin ins Bad gerannt und habe meinen Kopf gegen das Waschbecken gehauen. So einen Waschzwang zu haben und ihn nicht ausführen zu können ist dann wie einen Krampfanfall im Gehirn zu bekommen. Alles geht auf ERROR und man kann sich nicht wehren. Es ist so ein Verlangen und ein Prozess , wie wenn du einem Drogensüchtigen die Drogen entziehst während er sie gerade konsumiert. Meine Familie und mich hat das alles so sehr belastet. Ich kam in eine Verhaltenstherapie und ich hatte eine wirklich gute Therapeutin. Heute geht es mir wieder gut. Ich habe das im Griff aber es war ein harter und langer Weg.


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